Wie alles begann:

Als in mir der Gedanke wuchs, ein Buch zu schreiben, respektive einen Blog, über unsere Reisen und ich zum ersten Mal diesen Gedanken formulierte, gab es viel Widerspruch. Wer würde etwas lesen wollen, was sich verliert im Ozean der Reiseliteratur. Was würde es unterscheiden, von den aber-tausenden anderen Reiseberichten? Dennoch setzte sich der Wunsch bei mir fest und nahm immer deutlicher Gestalt an. Ich wollte wenigstens ein Tropfen sein in diesem Ozean. Ein Tropfen, nicht salziger als alle anderen, aber genauso nass.

Also setzte ich mich hin und las mich durch alle meine Reisetagebücher der vergangenen 20 Jahre. Dabei wurde mir einiges klar: wir haben eine besondere Affinität zu Südostasien und Afrika entwickelt und etwa 4/5 unserer engen Freunde haben wir während unserer Reisen kennen gelernt.

Wie sind wir überhaupt zum Reisen gekommen? Auf Umwegen durch unseren Beruf. Mein Freund und ich hatten uns Mitte der 80er Jahre bei einer Umschulungsmaßnahme zum staatlich anerkannten Altenpfleger kennen gelernt. Die Ausbildung fand in Göttingen statt und wir wohnten damals in Duderstadt, einem schönen, historischen Städtchen am Rande des Harzes, das aufgrund seiner geographischen Lage am Grenzzaun zur DDR keine besonders tollen, beruflichen Perspektiven bot. Als im November 1989 die Mauern und Zäune fielen, gab es kein Halten mehr. Plötzlich wohnten wir am vermeintlichen Nabel der Welt, eine regelrechte Goldgräberstimmung machte sich breit, leider auch in seiner negativen Form. Unser Vermieter erschien einmal pro Monat und brachte Gründe vor, weshalb er die Miete erhöhen müsse und wollten wir uns bei unserem Arbeitgeber über die zunehmenden Verschlechterungen in der Altenpflege beschweren, bekamen wir stets dieselbe lapidare Erklärung: “ Sie müssen hier ja nicht arbeiten, draußen gibt es genug Leute, die für 5,- DM Stundenlohn arbeiten wollen“.

So zogen wir die Konsequenzen und siedelten im Frühjahr 1990 um in den Süden der Republik, nach Baden-Württemberg, wo ich geboren bin. Eine neue Anstellung in der Pflege zu finden war kein Problem. Fünf Vorstellungsgespräche ergaben fünf potentielle Neuanstellungen und wir waren wieder sofort in Lohn und Brot. Die Arbeitsbedingungen waren schwer: 12 Tage Dienst am Stück mit Wechselschicht und eingeschobenen Nachtwachen, dann zwei Tage Frei, anschließend wieder 12 Tage Dienst. Der Pflegenotstand war schon im Kommen,  immer weniger Personal musste immer mehr Patienten versorgen, die immer hinfälliger wurden. Inhaltlich ist dieser Beruf eh´ eine schwer zu knackende Nuss: die Versorgung von Schwerpflegefällen mit Krankheitsbildern wie Schlaganfall, Krebsleiden, Alzheimer, Parkinson und Morbus Hodgkins ist kein Zuckerschlecken. Die Patienten waren unglücklich, lebensmüde und hangelten sich von Mahlzeit zu Mahlzeit dem sicheren Tod entgegen. Wir waren ebenfalls unglücklich, überfordert und ständig im Stress und mussten erkennen, dass die Kluft zwischen Lerninhalten der Ausbildung und der täglichen Realität unüberbrückbar war. Unsere Tage waren bestimmt von der beschwerlichen und schwer zu ertragenden Arbeit und so manchem Kampf mit den Vorgesetzten, für die nur die Rentabilität zählte.

Zum Mai 1992 planten wir unsere Hochzeit. Den großen Tag terminierten wir auf ein dienstfreies Wochenende, damit wir den Dienstplan nicht unnötig belasteten. Als dann in der Gegenschicht jedoch zwei Kolleginnen erkrankten, kam die Heimleitung zu uns und forderte uns auf, an unserem Hochzeitstag von 6.oo bis 10.oo den Frühdienst zu machen, danach bliebe zum Heiraten ja noch genügend Zeit. Dies war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Noch im Beisein aller Kollegen, während der Dienstübergabe, schrieben wir unsere Kündigung.

Da wir im Anschluss seitens des Arbeitsamtes sowieso für drei Monate gesperrt waren und kein Anrecht auf Arbeitslosengeld hatten, beschlossen wir, die Ratschläge unserer betagten Schützlinge endlich umzusetzen. Diese hatten uns immer wieder beschworen:  „Lebt, solange ihr jung seid, vergeudet nicht eure Jugend. Wir wollten immer mit dem Leben beginnen, wenn wir in Rente gehen und dann holten uns die Krankheiten ein“. Nachdem wir uns für Januar 1993 erfolgreich um neue Anstellungen beworben hatten, konnten wir getrost die Ersparnisse der vergangenen Jahre ausgeben.

Wir entschieden, erst einmal auf Reisen zu gehen. das Ziel unserer Träume sollte eine Südostasien-Rundreise auf eigene Faust sein. Mit Rucksack, Landkarte, Reiseführer, ohne Handy und Internet. Wir hatten uns Großes vorgenommen…

Advertisements