Schauen, wie hoch der Himmel ist…

Unser Reiseverhalten hatte schon immer Stoff für familiäre Diskussionen geliefert. Besonders meine Großmutter mütterlicherseits, die aus Rumänien stammte und in den 40er Jahren mit drei kleinen Kindern für 14 Jahre auf der Flucht gewesen war und diverse Lager in Deutschland und Österreich kennen lernen musste, hatte so gar kein Verständnis für unsere „Vagabunden-Gene“ und sie fragte mich oft: „Was ist dann, wenn ihr angekommen seid? Schaut ihr dann, wie hoch der Himmel ist?“ Für sie war der Himmel überall gleich hoch. Für mich nicht.

Ich wollte klare, blaue Himmel sehen, mit Wattewölkchen, wo man den Vögeln beim fliegen zuschauen könnte, bis sie nur noch winzige Punkte wären. Mich reizten aber auch schwere, quecksilberfarbene Wolkenschichten, die alles unter sich zu erdrücken schienen, dann der gelblich-orangefarbene Himmel, durch dessen Dunst die Sonne nur noch als Silhouette auszumachen ist und auch der flirrend heiße Himmel, wie er über Afrika zu finden ist, wo alle weiter entfernten Gegenstände anfangen vor den Augen zu verschwimmen und einem die wildesten Trugbilder vorspiegeln. Und dann nicht zu vergessen der unendliche, klare Himmel über den Wüsten, wo die Nächte schwarz wie Samt sind und die Sterne zum greifen nah.

Doch wie erklärt man das alles einer Großmutter, die sich nach ihrer kriegsgebeutelten Odyssee geschworen hat, nie wieder einen Fuß vom heimischen Hof weg zu bewegen? Und was ist es wirklich, was uns reizt, in schönster Regelmäßigkeit unsere Sachen zu packen, Visa zu beantragen und die Impfpässe auf ihre Gültigkeit zu überprüfen?

Sind es die verschieden hohen Himmel, oder die Menschen, die man bei solchen Reisen kennen lernt, die vielfältigen Erfahrungen die man macht und wieder mit nach Hause bringt? Sind es die exotischen Speisen, die unsere Gaumen kitzeln, oder die bunten Fotos, die man später jederzeit wieder aus der Konserve kramen kann, um sich wieder zurück zu versetzen in ferne Orte und Zeiten?

Natürlich, reisen bildet, es erweitert den Horizont und lehrt uns Toleranz zu üben gegenüber anderen Kulturen, Religionen und Traditionen. Reisen lässt uns oft in Demut und Dankbarkeit zurück kehren, da wir oft erst in der Ferne erkennen, wie gut es uns Zuhause geht. Durch die Konfrontation mit dem Elend erkennen wir, welch´hohen Standard wir genießen.

Doch wenn Wohlstand, Erfolg und gut gefüllte Brieftaschen der Schlüssel zum Glück wären, warum spielen dann die Kinder fröhlich und lachend in den staubigen Straßen von Myanmar, warum singen die Arbeiter in den Teeplantagen und Baumwollfeldern in Indien? Und warum erlebt man gerade in den ärmsten Regionen der Welt die herzlichste und großzügigste Gastfreundschaft?

Um eine Antwort auf all´diese Fragen zu erhalten, deshalb reise ich!

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Die Philosophie des Reisens

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

Dies ist mein Blog über die Philosophie des Reisens. Warum reisen wir? Was macht es mit uns? Weshalb begeben wir uns immer wieder auf fremde, oft auch beschwerliche Wege? Ist Reisen der Weg zum Glück? Ich werde keine Antworten liefern, aber ich biete Denkanstösse an und ich lasse euch teilhaben, an meinen Erfahrungen.

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