Wie man die Zeit sehen kann

Hier kann man die Zeit unmittelbar verstreichen sehen. Als wir ankamen, versank die Sonne etwas links vom “ Corona Roja Hotel“, jetzt nach 17 Tagen steht sie bereits gute zehn Zentimeter rechts vom großen, Playa del Ingles beherrschenden Gebäude. Ich merke, wie mein Geist zur Ruhe kommt und wie mein Blick geschärft wird. Stundenlang kann ich auf das glitzernde, sich immerzu in Bewegung befindende Wasser schauen, meine Gedanken schweifen lassen, den Wind spüren und einfach mein Dasein genießen.

Die Insel hat sich seit unserem ersten Besuch Ende der 80er Jahre sehr verändert, natürlich wurde viel gebaut und es sind zwischenzeitlich viel mehr Urlauber da. Aber auch die Natur ist großen Veränderungen unterworfen. Eigentlich gibt es hier jede Menge gut gefüllter Stauseen, doch seit vergangenem Jahr sind sie alle leer. Der See von Soria beinhaltet eigentlich 32 Millionen Kubikmeter Wasser, jetzt ist nichts mehr davon übrig. An die gigantische Staumauer hat jemand “ Make a wish“ gesprüht und man wünscht sich unweigerlich, dass der See bald wieder gefüllt sein wird. Eine weitere Folge der viel zu trockenen Zeit sind immer wiederkehrende Waldbrände. Ende September 2017 sind 2.700 Hektar Wald abgebrannt, eine unglaublich große Fläche. Doch die Natur kann sich glücklicherweise immer wieder selbst helfen und ist stärker als der Mensch, der in seiner Achtlosigkeit oder gar in Absicht Zigarettenkippen wegwirft und damit die Brände verursacht. Schon jetzt, fünf Monate nach dem verheerenden Brand, während die Waldarbeiter und Kommunenmitarbeiter noch die Folgen beseitigen, sieht man, wie die Bäume und Pflanzen sich erholen, überall sprießt junges, zartes Grün.

Gestern hatten wir einen wunderbaren, strahlend schönen Tag. Schon am Morgen packten wir unseren Rucksack und fuhren mit unserem petrol-metallic-farbenen Fiat 500 Richtung Berge, die sich klar und deutlich im milden Morgenlicht vor dem blauen Himmel abzeichneten. Wir fuhren entlang der Küstenstraße bis kurz vor Puerto Rico und folgten dann dem Barranco bis nach Soria, wo eigentlich ein schöner Stausee liegen sollte. Bei unserem letzten Besuch waren wir dort entlang gewandert und hatten an einem verfallenen Bauernhaus ein köstliches Picknick genossen mit Blick auf das tiefblaue Wasser, das von Palmen gesäumt wurde. Heute wiegten sich ebendiese Palmen im sanften Wind, aber von Wasser keine Spur. Es war, als hätte jemand den Stöpsel gezogen. Alles war staubtrocken. So beließen wir es bei einem ausführlichen Blick in die Landschaft und fuhren weiter nach Ayacata. Die Natur wurde immer spektakulärer und schon bald sahen wir den berühmten Roque Nublo in seiner ganzen Pracht bei bestem Wetter stehen. Sehr viele Wanderer waren unterwegs und die Straße war gesäumt von parkenden Autos. Vor 15 Monaten, bei unserem letzten Aufenthalt auf der Insel, waren wir auch dort oben gewesen und wir mussten immer wieder im kalten, schneidenden Wind darauf warten, dass die dichten Wolken weiterzogen, dass wir wenigstens ab und zu einen Blick auf die Pracht der gewaltigen Felsen erhaschen konnten. Heute war es sonnig, warm und klar – ein einziges Vergnügen. Wir setzten unsere Fahrt fort zum Cruz de Tejeda, genossen weitere, spektakuläre Ausblicke, und kamen schließlich in Artenara an, wo wir im Restaurant “ Mirardor de Cilla“ , das man durch einen Höhlenzugang erreicht, uns zu einem späten Mittagessen labten. Aufgrund des Wochenendes waren viele Einheimische unterwegs und genossen, wie auch wir, den herrlichen Tag. So war die Terrasse gut besucht und es herrschte fröhliche Stimmung. Auf der Rückfahrt in den Süden machten wir dann noch Station in Arucas, wo wir die riesige Kathedrale besuchten und durch die malerische Fußgängerzone und den städtischen Park bummelten. Ein Cortado leche y leche rundete unseren Tag ab, danach fuhren wir in einer knappen Stunde, vorbei an Las Palmas, zurück zu unserem Hotel, wo wir bis eben bei einem Glas gekühltem Sauvignon Blanc auf unserer Terrasse saßen und über die Lichter von San Agustin bis hinüber zu den Dünen von Maspalomas schauten. Und die Sonne versank wieder ein Stückchen weiter rechts.

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