Der alte Mann und das Meer

Nein, ein idyllisches, ruhiges Fischerdorf ist Puerto de Mogan schon lange nicht mehr. Mit der Erschließung des Ortes für den Tourismus hat sich einiges verändert. Allerdings war man hier so vorraussehend, dass man bestimmt hat, dass die im Hafenbereich angesiedelten Hotels nicht höher als zwei Stockwerke sein dürfen. So kann man immer noch durch die verwinkelten Gassen kreuz und quer vorbei an den bunten Appartmenthäusern bummeln und den Fähren und Yachten beim ein- und auslaufen zuschauen. Auf dem zentralen Platz unter großen schattigen Bäume sitzt immer noch die Bronzefigur des Obstverkäufers Elias Hernandez Garcia auf einer Steinbank, wie schon seit den 70er Jahren und lässt es sich stoisch gefallen, dass jede Menge Touristen in mehr oder weniger angemessener Kleidung aus aller Herren Länder neben ihm Platz nehmen, um sich mit ihm fotografieren zu lassen. Danach setzen sie ihren Bummel durch die engen Gassen fort und bezahlen überteuerte Preise für billige Souvenirs. So gibt es z.B. die berühmten “ fliegenden Schweine“ aus Kokosschalen, Nusskernen und Federn, die in Thailand überall angeboten werden, auch hier zu erstehen, allerdings für den zehnfachen Preis wie in Asien.

Der bekannte Freitagsmarkt am Hafen, zu dem die Touristen von überall her von der Insel in Bussen hergekarrt werden, hat mit schönem Kunsthandwerk nicht mehr viel zu tun. Billige Plagiate, Ramsch und Nippes werden feilgeboten und Massen an Menschen schieben sich an den Ständen vorbei. Dann sind auch die vielen Restaurants, die einheitlichen Tourimampf anbieten total überfüllt und die Preise lassen einen Schnappatmung bekommen. Ein Stück Käsekuchen gibt’s für 5,50€, das finde ich gewagt… Dennoch hat sich der Ort einen gewissen Charme erhalten, was besonders ins Auge fällt, wenn man zum Vergleich von Ostende rüber nach Puerto Rico und Arguineguin schaut, wo sich die Betonburgen die ganzen Berghänge entlangziehen. Seit Jahren kommen wir immer wieder zu einem kurzen Besuch vorbei und genießen z.B. den Blick von einem der beiden Mirardore auf den Ort. Gerade von oben ist der ursprüngliche Charme der bunten Appartmentanlage mit ihren Dachgärten gut zu erkennen.

2011 waren wir auch wieder einmal zu einer Stippvisite in Puerto de Mogan und bummelten dabei auch durch den sehr schön angelegten Garten des Hotels “ Cordial P.d.M.“, als wir eine entzückende, kleine, hoteleigene Kapelle entdeckten. Sie war üppig mit bunten Blumen geschmückt und alles wirkte auf den ersten Blick bezaubernd und wunderschön. Doch dann sahen wir, dass es einige, weinende Menschen an dem Ort gab und es lagen Kondolenzbücher aus. Kurz zuvor hatte es im Wellness- und Küchenbereich beim Betanken eines Gastanks eine Explosion gegeben, eine norwegische Urlauberin und eine 22-jährige Kellnerin aus Kuba waren an ihren Verbrennungen gestorben, es hatte weitere Verletzte gegeben und viele Urlauber mussten in andere Hotels umgesiedelt werden. Als wir dort waren, war auch die Mutter der jungen Frau aus Kuba eingetroffen, um an der Trauerfeier teilzunehmen und ihre tote Tochter nach Hause zu holen. Das zu erleben hat uns sehr berührt und seither sehen wir diesen Ort mit ganz anderen Augen.

Doch nun noch zu etwas positivem: es gibt direkt am Hafen ein winzig kleines, aber wirklich besonders Restaurant namens “ Casito Mediterraneo“. Die Besitzer kommen aus Deutschland, sind sehr nett und um ihre Gäste bemüht und die Speisekarte bietet ein paar wirkliche Überraschungen. So gibt es z.B. eine Triologie von geeisten Gazpachos ( Gurke, Tomate und gelbe Paprika), leckere Tapas, ausgefallene Sangrias ( als weiße Variante), köstliche Fleisch-und Fischgerichte und selbst unsere ausgefallene Bitte nach einem “ Zapperoco“, einer flüssigen Kaffeepraline, die nicht auf der Karte steht, hat man ohne Wimpernzucken erfüllt. Und dies in einer Umgebung, wo man nur mit Mühe, den hier eigentlich beheimateten Cortado bekommt. Wirklich empfehlenswert!

Zurück fahren wir an der Küste entlang Richtung Arguineguin zum Hotel “ Anfi del Mar“, einer wirklichen Besonderheit. Hier darf man auch jederzeit als Gast kommen, wenn man nicht im Hotel wohnt. Vor dem Hotel wurde ein großer, halbmondförmiger, hellsandiger, künstlicher Stand aufgeschüttet, so dass man sich unversehens auf den Bahamas wähnt. Das Wasser glitzert türkis in der Sonne und man kann es sich für ein paar Stunden gemütlich machen. Wer nicht gerne vom Sand paniert werden möchte, kann über eine Brücke auf die vorgelagerte Halbinsel gehen, wo sich der Anfi Beach Club befindet. Hier erwarten einen bequeme Loungemöbel, extrem lässige Chillout-Musik und köstliche Cocktails, die einem den malerischen Sonnenuntergang versüßen. So kann ein perfekter Tag gerne ausklingen.

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