Bemerkenswert

Die Philosophie des Reisens

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

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Dies ist mein Blog über die Philosophie des Reisens. Warum reisen wir? Was macht es mit uns? Weshalb begeben wir uns immer wieder auf fremde, oft auch beschwerliche Wege? Ist Reisen der Weg zum Glück? Ich werde keine Antworten liefern, aber ich biete Denkanstösse an und ich lasse euch teilhaben, an meinen Erfahrungen.

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Saludos a la vida!

Es ist soweit. Unsere Zeit auf Gran Canaria neigt sich dem Ende zu. Die Insel hat sich mit den Jahren sehr verändert, aber immer noch kann sie so viel geben. Ein letztes Mal liege ich auf den „türkis trifft sonnenorange-farbenen Liegemöbeln“ und lausche mit geschlossenen Augen dem Kreischen der Möven, die man nur mit Mühe vom Rauschen der Wellen tief unter uns heraushören kann. Meine Gedanken schweifen ab, entwickeln ihren eigenen Rhythmus, schlagen Kapriolen, fliegen davon und kehren zurück. Seltsam, hier drehen sie sich nie im Kreis. Ich höre die Melodie des Windes und das Klatschen des Wassers gegen die Felsen, beobachte das Glitzern der Wasseroberfläche im Sonnenlicht, nehme wahr, wie es sich verändert und ich schaue den weißen Wattewolken zu, wie sie über den weiten Himmel ziehen, wie sie ihre Form verändern. Es gibt nichts, was ich nicht entdecke: Kaninchen, Hunde, einen Delphin, einen stockschwingenden Jungen, eine Orchidee, Häuser, ein pausbäckiges Gesicht – meine Phantasie kennt keine Grenzen. Ich denke an alles und nichts, aber nicht an Arbeit, Aufgaben, oder Probleme.

Hat mich diese Zeit hier glücklich gemacht? Ja, das hat sie, denn sie schenkt mir Leichtigkeit der Gedanken, Neugierde auf die kommende Zeit, Liebe in meinem Herzen, Ruhe für meine Seele und einfach Lust auf das Leben.

Nach einem anstrengenden und aufreibenden Jahr 2017, ist dies ein wunderbarer Start in ein neues, hoffentlich gutes Jahr. Wir sind voller Freude und Optimismus auf das, was kommen mag und fühlen uns gut gerüstet.

Deutschland erwartet uns laut der Zeitung mit den vier großen Buchstaben mit der “ russischen Kältepeitsche“ ( Drama, Baby, Drama), doch selbst darüber müssen wir lächeln. Selbst, wenn es jetzt kalt ist, über kurz oder lang kommt der Frühling zu uns. Er ist nicht mehr aufzuhalten.

Und halt, was ist das? Eine Wolke über mir hat exakt die Form von Kuba. Ist das ein Zeichen? Vielleicht unser nächstes Ziel? Lassen wir uns überraschen!

In der vergangenen drei Wochen habe ich viel gelesen.

Eine meiner Lieblingsautorinnen ist Meike Winnemuth. Sie hatte vor Jahren bei Günter Jauch 500.000€ gewonnen und hatte diese als Startkapital genutzt, um ein Jahr lang , für je einen Monat in den verschiedensten Städten zu leben, überall auf der Welt, von Adis Abeba bis Zürich. Das darüber entstandene Buch: “ Das große Los“ hatte mich fasziniert, genauso wie der Nachfolger “ Um es kurz zu machen- über das unverschämte Glück, auf der Welt zu sein“, ein Buch über das Glücklichsein, sehr zu empfehlen.

Meike Winnemuth schreibt jede zweite Woche eine Kolumne im Stern, im Januar ging es um “ Entitlement“, frei übersetzt um “ Anspruchsberechtigung“ und die Frau schrieb mir wieder aus der Seele. Es ging darum, dass heute jeder meint, einen Anspruch auf alles mögliche zu haben, allein durch die Tatsache, ein Dasein zu haben. Ein wirklich gelungener Artikel, der treffend belegte, welche professionellen Jammerlappen die Deutschen doch sind, der fein skizzierte, wie anspruchsvoll die Menschen sind und er entlarvte die Verrohung der Gesellschaft im Allgemeinen, die mir auch so oft sauer aufstösst. Die Zeilen haben mir mal wieder bestätigt, wie erfrischend es ist, die Worte von Frau Winnemuth auf sich wirken zu lassen.

Und sie lassen in mir Dankbarkeit und Demut wachsen, denn das Leben meint es gut mit mir. Ich habe ein erfülltes Dasein, eine wunderbare Beziehung, einen tollen Job, eine Familie, die mich jederzeit unterstützt und eine Menge unverzichtbarer Freunde, die jede Lebensphase mit mir durchleben, die sich mit mir freuen, die mich trösten und mit mir das Leben feiern. Saludos a la vida, ein Salut auf das Leben!

Die süße Seite des Lebens

Die Südländer genießen ja bekanntermaßen das Dolce Vita mit allen Sinnen und natürlich auch mit der Zunge. Hier gibt es viele leckere süße Leckereien zu entdecken. Schon vor Jahren fanden wir beim Einkaufen die Marmelade eines Herstellers, den es bereits seit 1834 gibt. “ La Vieja Fabrica“ heißt die Firma und meine Lieblingssorte heißt „Fresa“, Erdbeere. Köstlich, aromatisch, mit großen Fruchtstücken, einfach toll. Doch es gibt viele andere Sorten und so ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Diesmal fanden wir auch einen Aufstrich: Fresa con chocolata con leche. Erdbeeren mit Schokolade und Milch. Etwas wirklich ganz besonderes.

Dann gibt es überall den köstlichen “ Arroz con leche“, in deutsch ganz profan Milchreis genannt. Aber er wird, je nach Region und der Person, die ihn kocht mit Vanille, frischer Zitronenschale oder Kardamom verfeinert. Auch extrem lecker.

Dann sollte man unbedingt einen “ Cortado leche y leche“ probieren. Einen kleinen Kaffee im Glas, der die zwei verschiedenen Milchsorten trennt. Am Glasboden befindet sich eine ordentliche Schicht süße Kondensmilch und über dem Kaffee wird ein guter Schluck heiße Milch oder Milchschaum aufgegossen, herrlich.

Diese Spezialität wird nur noch getoppt von einem “ Zapperoco“, einer Kaffeespezialität, die von Teneriffa stammt. Ich nenne es auch eine flüssige Praline. In ein kleines Glas kommt wieder eine Portion gesüßte Kondensmilch, dann folgt ein Espresso, ein Schuß Kaffee-oder Karamelllikör, ein kleines Stückchen Zitronenschale zum aromatisieren, dann wird das Glas mit Milchschaum aufgefüllt – himmlisch. Dies gibt es inzwischen auch Zuhause, das ist von unserem Genußplan nicht mehr wegzudenken.

Tja, und jetzt kommt der Kracher! Habt ihr schon mal was von “ Polvito Uruguayo“ gehört? Das ist ein typisches, kanarisches, besser gesagt DAS kanarische Dessert von Gran Canaria. Es besteht aus geschredderten Keksen, Dulce de Leche, kanarischer Ermol Creme ( etwas, wie buttrige Mascarpone), zerbröselten Meringuen, Milch und Butter. Das hört sich nicht nur gewaltig an, das ist es auch. Es hat aber nicht nur viele Kalorien, es ist eine absolute Geschmacksexplosion. O.K., es passt natürlich in keinen Diätplan, aber es ist purer Gaumensex. Probiert es mal aus, es lohnt sich!

Die Tür zum Garten Eden steht offen

Wenn man den Barranco zum Stausee von Ayagaures hinauffährt, findet man auf halbem Weg rechterhand ein Kunst-und Naturkleinod, das einen Stopp sehr lohnend macht. Die „Finca Montecristo“ wurde von Guy Martin, einem 67-jährigem Künstler gegründet. Der Mann mit deutsch-französischen Wurzeln hatte schon als Kind eine große Liebe zur Natur und wurde als Meisterflorist weltbekannt. Er leitete eine Schule für Blumensteckkunst und füllte bei weltweiten Tourneen als Künstler für Live Arte Floral Demonstation die Hallen. In Paris galt er als “ Who is Who“ der Szene und gestaltete für die Noblen der Gesellschaft die floralen Arrangements bei wichtigen Anlässen. So z.B. für Maria Callas oder auch Gracia Patricia von Monaco.

Hier auf Gran Canaria hat er einen Garten mit 40.000 qm gestaltet, in dem nicht jur über 1500 verschiedene Pflanzen wachsen, sondern hier kann man auch in individuell gestalteten Appartments wohnen, von Zeit zu Zeit Konzerten lauschen, oder man setzt sich an einen der Tische, im einzigartig gehaltenen Restaurant, lauscht den Vögeln, liest ein gutes Buch oder sucht sich etwas von der kleinen, aber feinen Speisekarte aus. Überall laden lauschige Nischen, Pavillons, versteckte Ecken und eine sonnige Terrasse zum verweilen ein. Nicht nur der Garten ist ganz natürlich gehalten, auch alle Kunstwerke sind aus natürlichen Materialien gestaltet. Im Garten werden keinerlei Chemikalien verwendet, alles ist urtümlich und ein bischen wild. Ein Ort der Ruhe und Erholung, hier kann der Geist auf Wanderschaft gehen. Das ganze Gelände liegt am Berg, über dutzende Treppen geht es hinauf und hinab, deshalb ist es auch nicht geeignet für gehbehinderte Personen. Der Eintritt beträgt 8,-€ pro Person und leider ist der Garten samt Restaurant nur an drei Tagen in der Woche geöffnet: Samstag, Sonntag und Montag von 10.00 bis 18.00 kann man hier relaxen. Nur eine Sache fand ich sehr bedauerlich: überall auf dem Gelände stehen Käfige mit Vögeln. Wellensittiche, Kakadus, Exoten wie Aras und selbst Dutzende Meerschweinchen leben eingesperrt in dieser Idylle. Natürlich ist dadurch die Luft erfüllt vom Zwitschern, Pfeifen und Tschilpen, doch darauf hätte ich für die Freiheit der Tiere gerne verzichtet, denn es gibt auch jede Menge Vögel, die frei herumfliegen und mir taten die Kreaturen leid. Doch das Gelände selbst, die Natur und die Kunst rechtfertigen jeden Stopp und laden zum Genießen ein.

Wie man die Zeit sehen kann

Hier kann man die Zeit unmittelbar verstreichen sehen. Als wir ankamen, versank die Sonne etwas links vom “ Corona Roja Hotel“, jetzt nach 17 Tagen steht sie bereits gute zehn Zentimeter rechts vom großen, Playa del Ingles beherrschenden Gebäude. Ich merke, wie mein Geist zur Ruhe kommt und wie mein Blick geschärft wird. Stundenlang kann ich auf das glitzernde, sich immerzu in Bewegung befindende Wasser schauen, meine Gedanken schweifen lassen, den Wind spüren und einfach mein Dasein genießen.

Die Insel hat sich seit unserem ersten Besuch Ende der 80er Jahre sehr verändert, natürlich wurde viel gebaut und es sind zwischenzeitlich viel mehr Urlauber da. Aber auch die Natur ist großen Veränderungen unterworfen. Eigentlich gibt es hier jede Menge gut gefüllter Stauseen, doch seit vergangenem Jahr sind sie alle leer. Der See von Soria beinhaltet eigentlich 32 Millionen Kubikmeter Wasser, jetzt ist nichts mehr davon übrig. An die gigantische Staumauer hat jemand “ Make a wish“ gesprüht und man wünscht sich unweigerlich, dass der See bald wieder gefüllt sein wird. Eine weitere Folge der viel zu trockenen Zeit sind immer wiederkehrende Waldbrände. Ende September 2017 sind 2.700 Hektar Wald abgebrannt, eine unglaublich große Fläche. Doch die Natur kann sich glücklicherweise immer wieder selbst helfen und ist stärker als der Mensch, der in seiner Achtlosigkeit oder gar in Absicht Zigarettenkippen wegwirft und damit die Brände verursacht. Schon jetzt, fünf Monate nach dem verheerenden Brand, während die Waldarbeiter und Kommunenmitarbeiter noch die Folgen beseitigen, sieht man, wie die Bäume und Pflanzen sich erholen, überall sprießt junges, zartes Grün.

Gestern hatten wir einen wunderbaren, strahlend schönen Tag. Schon am Morgen packten wir unseren Rucksack und fuhren mit unserem petrol-metallic-farbenen Fiat 500 Richtung Berge, die sich klar und deutlich im milden Morgenlicht vor dem blauen Himmel abzeichneten. Wir fuhren entlang der Küstenstraße bis kurz vor Puerto Rico und folgten dann dem Barranco bis nach Soria, wo eigentlich ein schöner Stausee liegen sollte. Bei unserem letzten Besuch waren wir dort entlang gewandert und hatten an einem verfallenen Bauernhaus ein köstliches Picknick genossen mit Blick auf das tiefblaue Wasser, das von Palmen gesäumt wurde. Heute wiegten sich ebendiese Palmen im sanften Wind, aber von Wasser keine Spur. Es war, als hätte jemand den Stöpsel gezogen. Alles war staubtrocken. So beließen wir es bei einem ausführlichen Blick in die Landschaft und fuhren weiter nach Ayacata. Die Natur wurde immer spektakulärer und schon bald sahen wir den berühmten Roque Nublo in seiner ganzen Pracht bei bestem Wetter stehen. Sehr viele Wanderer waren unterwegs und die Straße war gesäumt von parkenden Autos. Vor 15 Monaten, bei unserem letzten Aufenthalt auf der Insel, waren wir auch dort oben gewesen und wir mussten immer wieder im kalten, schneidenden Wind darauf warten, dass die dichten Wolken weiterzogen, dass wir wenigstens ab und zu einen Blick auf die Pracht der gewaltigen Felsen erhaschen konnten. Heute war es sonnig, warm und klar – ein einziges Vergnügen. Wir setzten unsere Fahrt fort zum Cruz de Tejeda, genossen weitere, spektakuläre Ausblicke, und kamen schließlich in Artenara an, wo wir im Restaurant “ Mirardor de Cilla“ , das man durch einen Höhlenzugang erreicht, uns zu einem späten Mittagessen labten. Aufgrund des Wochenendes waren viele Einheimische unterwegs und genossen, wie auch wir, den herrlichen Tag. So war die Terrasse gut besucht und es herrschte fröhliche Stimmung. Auf der Rückfahrt in den Süden machten wir dann noch Station in Arucas, wo wir die riesige Kathedrale besuchten und durch die malerische Fußgängerzone und den städtischen Park bummelten. Ein Cortado leche y leche rundete unseren Tag ab, danach fuhren wir in einer knappen Stunde, vorbei an Las Palmas, zurück zu unserem Hotel, wo wir bis eben bei einem Glas gekühltem Sauvignon Blanc auf unserer Terrasse saßen und über die Lichter von San Agustin bis hinüber zu den Dünen von Maspalomas schauten. Und die Sonne versank wieder ein Stückchen weiter rechts.

Der alte Mann und das Meer

Nein, ein idyllisches, ruhiges Fischerdorf ist Puerto de Mogan schon lange nicht mehr. Mit der Erschließung des Ortes für den Tourismus hat sich einiges verändert. Allerdings war man hier so vorraussehend, dass man bestimmt hat, dass die im Hafenbereich angesiedelten Hotels nicht höher als zwei Stockwerke sein dürfen. So kann man immer noch durch die verwinkelten Gassen kreuz und quer vorbei an den bunten Appartmenthäusern bummeln und den Fähren und Yachten beim ein- und auslaufen zuschauen. Auf dem zentralen Platz unter großen schattigen Bäume sitzt immer noch die Bronzefigur des Obstverkäufers Elias Hernandez Garcia auf einer Steinbank, wie schon seit den 70er Jahren und lässt es sich stoisch gefallen, dass jede Menge Touristen in mehr oder weniger angemessener Kleidung aus aller Herren Länder neben ihm Platz nehmen, um sich mit ihm fotografieren zu lassen. Danach setzen sie ihren Bummel durch die engen Gassen fort und bezahlen überteuerte Preise für billige Souvenirs. So gibt es z.B. die berühmten “ fliegenden Schweine“ aus Kokosschalen, Nusskernen und Federn, die in Thailand überall angeboten werden, auch hier zu erstehen, allerdings für den zehnfachen Preis wie in Asien.

Der bekannte Freitagsmarkt am Hafen, zu dem die Touristen von überall her von der Insel in Bussen hergekarrt werden, hat mit schönem Kunsthandwerk nicht mehr viel zu tun. Billige Plagiate, Ramsch und Nippes werden feilgeboten und Massen an Menschen schieben sich an den Ständen vorbei. Dann sind auch die vielen Restaurants, die einheitlichen Tourimampf anbieten total überfüllt und die Preise lassen einen Schnappatmung bekommen. Ein Stück Käsekuchen gibt’s für 5,50€, das finde ich gewagt… Dennoch hat sich der Ort einen gewissen Charme erhalten, was besonders ins Auge fällt, wenn man zum Vergleich von Ostende rüber nach Puerto Rico und Arguineguin schaut, wo sich die Betonburgen die ganzen Berghänge entlangziehen. Seit Jahren kommen wir immer wieder zu einem kurzen Besuch vorbei und genießen z.B. den Blick von einem der beiden Mirardore auf den Ort. Gerade von oben ist der ursprüngliche Charme der bunten Appartmentanlage mit ihren Dachgärten gut zu erkennen.

2011 waren wir auch wieder einmal zu einer Stippvisite in Puerto de Mogan und bummelten dabei auch durch den sehr schön angelegten Garten des Hotels “ Cordial P.d.M.“, als wir eine entzückende, kleine, hoteleigene Kapelle entdeckten. Sie war üppig mit bunten Blumen geschmückt und alles wirkte auf den ersten Blick bezaubernd und wunderschön. Doch dann sahen wir, dass es einige, weinende Menschen an dem Ort gab und es lagen Kondolenzbücher aus. Kurz zuvor hatte es im Wellness- und Küchenbereich beim Betanken eines Gastanks eine Explosion gegeben, eine norwegische Urlauberin und eine 22-jährige Kellnerin aus Kuba waren an ihren Verbrennungen gestorben, es hatte weitere Verletzte gegeben und viele Urlauber mussten in andere Hotels umgesiedelt werden. Als wir dort waren, war auch die Mutter der jungen Frau aus Kuba eingetroffen, um an der Trauerfeier teilzunehmen und ihre tote Tochter nach Hause zu holen. Das zu erleben hat uns sehr berührt und seither sehen wir diesen Ort mit ganz anderen Augen.

Doch nun noch zu etwas positivem: es gibt direkt am Hafen ein winzig kleines, aber wirklich besonders Restaurant namens “ Casito Mediterraneo“. Die Besitzer kommen aus Deutschland, sind sehr nett und um ihre Gäste bemüht und die Speisekarte bietet ein paar wirkliche Überraschungen. So gibt es z.B. eine Triologie von geeisten Gazpachos ( Gurke, Tomate und gelbe Paprika), leckere Tapas, ausgefallene Sangrias ( als weiße Variante), köstliche Fleisch-und Fischgerichte und selbst unsere ausgefallene Bitte nach einem “ Zapperoco“, einer flüssigen Kaffeepraline, die nicht auf der Karte steht, hat man ohne Wimpernzucken erfüllt. Und dies in einer Umgebung, wo man nur mit Mühe, den hier eigentlich beheimateten Cortado bekommt. Wirklich empfehlenswert!

Zurück fahren wir an der Küste entlang Richtung Arguineguin zum Hotel “ Anfi del Mar“, einer wirklichen Besonderheit. Hier darf man auch jederzeit als Gast kommen, wenn man nicht im Hotel wohnt. Vor dem Hotel wurde ein großer, halbmondförmiger, hellsandiger, künstlicher Stand aufgeschüttet, so dass man sich unversehens auf den Bahamas wähnt. Das Wasser glitzert türkis in der Sonne und man kann es sich für ein paar Stunden gemütlich machen. Wer nicht gerne vom Sand paniert werden möchte, kann über eine Brücke auf die vorgelagerte Halbinsel gehen, wo sich der Anfi Beach Club befindet. Hier erwarten einen bequeme Loungemöbel, extrem lässige Chillout-Musik und köstliche Cocktails, die einem den malerischen Sonnenuntergang versüßen. So kann ein perfekter Tag gerne ausklingen.

Fische, die den Himmel küssen

Also, zäumen wir das Pferd von hinten auf… Eigentlich wollte ich chronologisch von unseren Reisen berichten. Doch das klappt nicht, denn wir sind gerade mal wieder unterwegs und so fange ich eben damit an. Diesmal hat es und auf die Kanaren verschlagen, genauer gesagt nach Gran Canaria. Ein wunderbar geeigneter Ort, um den deutschen Winter zu verkürzen. Wir wohnen im Süden, in San Agustin und haben ein wirklich schönes, etwa 50 qm großes Appartment bezogen, mit Blick rüber auf die Dünenlandschaft von Maspalomas.

Die Insel bietet Sandstrände, aber auch beachtliche Berge und tiefe Canyons, quirliges Partyleben und wirkliche Einsamkeit, Badetage am Strand oder Wanderungen im Wald, es ist für jeden etwas dabei, Langeweile kommt da nicht auf.

Zumal gerade die Karnevalsaison begonnen hat. In vielen Orten gibt es Straßenumzüge.

Heute war ein riesiger Karnevalsumzug in Las Palmas. Die spanischen Machos gehen alle als Frauen verkleidet, es gibt Superhelden, Schlümpfe, Faune und Feen, agyptische Gottheiten und jede Menge Fantasiewesen in Gold und Glitzer zu bestaunen. Je bunter und abgefahrener, desto besser. Die Musik ist ohrenbetäubend, natürlich Salsa und jeder, wirklich jeder tanzt dazu. Es ist laut, lustig und fröhlich.

Nachdem wir uns dieses Spektakel in Agüimes angeschaut haben, fahren wir durch den netten Ort Arinaga, in dem dutzende, kleine Bronzefiguren von spielenden Kindern die Straße säumen nach Playa de Arinaga. Dort, an der Mole, stärken wir uns im “ Miramar“ mit Blick auf das glitzernde Meer und beobachten die vorbei flanierenden Menschen. Der Service des Lokals ist super, die Angestellten freundlich und flink, das Essen sehr lecker und auch noch recht günstig. Ein Cortado leche y leche rundet unser köstliches Mittagessen ab. Gut gerüstet setzen wir unseren Spaziergang entlang der Promenade, die komplett am Ort entlang führt, fort. Der Weg endet im Norden bei zwei ehemaligen Kalköfen, wo früher der Kalk zur Herstellung von Fassadenfarbe gebrannt wurde. Heute befindet sich dort ein Museum und das Restaurant “ Hornos del Cal“ . Dieser nördliche Teil der Promenade wird von gigantischen, bunten Fischskulpturen gesäumt, die äußerst pitotesk sind und je nach Betrachtungswinkel aussehen, als würden sie den Himmel küssen. Ein schöner, ruhiger Ort zum verweilen und den Tag genießen, allerdings sind die Strände nicht gut zum schwimmen geeignet, denn sie sind kiesig und es gibt hohe Wellen. Schon mehrmals wurde bei heftigen Stürmen die komplette Promenade überflutet und das Meer ließ große Steine zurück, die auch beträchtlichen Schaden anrichteten. Doch bei schönem Wetter ist es ein ruhiger, netter Ort, abseits der üblichen Touristenpfade.

Wie alles begann:

Als in mir der Gedanke wuchs, ein Buch zu schreiben, respektive einen Blog, über unsere Reisen und ich zum ersten Mal diesen Gedanken formulierte, gab es viel Widerspruch. Wer würde etwas lesen wollen, was sich verliert im Ozean der Reiseliteratur. Was würde es unterscheiden, von den aber-tausenden anderen Reiseberichten? Dennoch setzte sich der Wunsch bei mir fest und nahm immer deutlicher Gestalt an. Ich wollte wenigstens ein Tropfen sein in diesem Ozean. Ein Tropfen, nicht salziger als alle anderen, aber genauso nass.

Also setzte ich mich hin und las mich durch alle meine Reisetagebücher der vergangenen 20 Jahre. Dabei wurde mir einiges klar: wir haben eine besondere Affinität zu Südostasien und Afrika entwickelt und etwa 4/5 unserer engen Freunde haben wir während unserer Reisen kennen gelernt.

Wie sind wir überhaupt zum Reisen gekommen? Auf Umwegen durch unseren Beruf. Mein Freund und ich hatten uns Mitte der 80er Jahre bei einer Umschulungsmaßnahme zum staatlich anerkannten Altenpfleger kennen gelernt. Die Ausbildung fand in Göttingen statt und wir wohnten damals in Duderstadt, einem schönen, historischen Städtchen am Rande des Harzes, das aufgrund seiner geographischen Lage am Grenzzaun zur DDR keine besonders tollen, beruflichen Perspektiven bot. Als im November 1989 die Mauern und Zäune fielen, gab es kein Halten mehr. Plötzlich wohnten wir am vermeintlichen Nabel der Welt, eine regelrechte Goldgräberstimmung machte sich breit, leider auch in seiner negativen Form. Unser Vermieter erschien einmal pro Monat und brachte Gründe vor, weshalb er die Miete erhöhen müsse und wollten wir uns bei unserem Arbeitgeber über die zunehmenden Verschlechterungen in der Altenpflege beschweren, bekamen wir stets dieselbe lapidare Erklärung: “ Sie müssen hier ja nicht arbeiten, draußen gibt es genug Leute, die für 5,- DM Stundenlohn arbeiten wollen“.

So zogen wir die Konsequenzen und siedelten im Frühjahr 1990 um in den Süden der Republik, nach Baden-Württemberg, wo ich geboren bin. Eine neue Anstellung in der Pflege zu finden war kein Problem. Fünf Vorstellungsgespräche ergaben fünf potentielle Neuanstellungen und wir waren wieder sofort in Lohn und Brot. Die Arbeitsbedingungen waren schwer: 12 Tage Dienst am Stück mit Wechselschicht und eingeschobenen Nachtwachen, dann zwei Tage Frei, anschließend wieder 12 Tage Dienst. Der Pflegenotstand war schon im Kommen,  immer weniger Personal musste immer mehr Patienten versorgen, die immer hinfälliger wurden. Inhaltlich ist dieser Beruf eh´ eine schwer zu knackende Nuss: die Versorgung von Schwerpflegefällen mit Krankheitsbildern wie Schlaganfall, Krebsleiden, Alzheimer, Parkinson und Morbus Hodgkins ist kein Zuckerschlecken. Die Patienten waren unglücklich, lebensmüde und hangelten sich von Mahlzeit zu Mahlzeit dem sicheren Tod entgegen. Wir waren ebenfalls unglücklich, überfordert und ständig im Stress und mussten erkennen, dass die Kluft zwischen Lerninhalten der Ausbildung und der täglichen Realität unüberbrückbar war. Unsere Tage waren bestimmt von der beschwerlichen und schwer zu ertragenden Arbeit und so manchem Kampf mit den Vorgesetzten, für die nur die Rentabilität zählte.

Zum Mai 1992 planten wir unsere Hochzeit. Den großen Tag terminierten wir auf ein dienstfreies Wochenende, damit wir den Dienstplan nicht unnötig belasteten. Als dann in der Gegenschicht jedoch zwei Kolleginnen erkrankten, kam die Heimleitung zu uns und forderte uns auf, an unserem Hochzeitstag von 6.oo bis 10.oo den Frühdienst zu machen, danach bliebe zum Heiraten ja noch genügend Zeit. Dies war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Noch im Beisein aller Kollegen, während der Dienstübergabe, schrieben wir unsere Kündigung.

Da wir im Anschluss seitens des Arbeitsamtes sowieso für drei Monate gesperrt waren und kein Anrecht auf Arbeitslosengeld hatten, beschlossen wir, die Ratschläge unserer betagten Schützlinge endlich umzusetzen. Diese hatten uns immer wieder beschworen:  „Lebt, solange ihr jung seid, vergeudet nicht eure Jugend. Wir wollten immer mit dem Leben beginnen, wenn wir in Rente gehen und dann holten uns die Krankheiten ein“. Nachdem wir uns für Januar 1993 erfolgreich um neue Anstellungen beworben hatten, konnten wir getrost die Ersparnisse der vergangenen Jahre ausgeben.

Wir entschieden, erst einmal auf Reisen zu gehen. das Ziel unserer Träume sollte eine Südostasien-Rundreise auf eigene Faust sein. Mit Rucksack, Landkarte, Reiseführer, ohne Handy und Internet. Wir hatten uns Großes vorgenommen…